Informationen zu einem Oldtimer-Gutachten


Der Wert eines Oldtimers

Warum eine fachgerechte Wertermittlung mehr ist als die Vergabe einer Zustandsnote

Im Oldtimerbereich wird die Bewertung anhand einer Zustandsnote (Skala von 1 bis 5, nach Schulnotensystem) vorgenommen. Die einzelnen Zustandsnoten samt Erläuterung werden wie folgt beschrieben:

Zustandsnote 1

Zustand nach soeben abgeschlossener, umfangreich fotodokumentierter Restaurierung/Renovierung bzw. Wiederaufbau beim typkompetenten Profi. Erscheinung wie damaliger Neuwagen.

Erläuterung

Alle handwerklichen Arbeiten müssen höchsten Ansprüchen genügen.
Alternativ könnte es auch der nach ursprünglicher Auslieferung durch den Hersteller gleich konservierte und heute von Standschäden befreite Klassiker sein. Ein Status, der in der Praxis kaum zu finden ist!

Zustandsnote 2

Zustand analog zur Beschreibung der Note 1, aber nach rund drei bis fünf jährigempfleglichem Gebrauch mit geringen Gebrauchsspuren versehen.
Alternativ Zustand nach einer im Aufwand durchschnittlichen, aber kompetent ausgeführten Restaurierung/ Renovierung. Die handwerkliche Ausführung muss jedoch hohen Ansprüchen genügen

Erläuterung

Jeder bestimmungsgemäße Gebrauch eines Fahrzeugs zieht Gebrauchsspuren nach sich, die bis zu einem gewissen Punkt nicht negativ zu werten sind.
Selbstverständlich ist bei Zustand-2-Oldies die absolute Abwesenheit von Rostansätzen (auch unsichtbarer Art).
Auch original erhaltene Fahrzeuge können diesen Zustand erreichen und nehmen in Verbindung mit dem guten Erhaltungszustand einen äußerst begehrenswerten Sonderstatus ein. In diesem Zusammenhang käme das ergänzende Symbol (!) zum Tragen (s. Erläuterung weiter unten)

Zustandsnote 3

Diese Fahrzeuge weisen in allen Bereichen stärkere Gebrauchsspuren auf. Viele noch original erhaltene oder teilrestaurierte Klassiker zählen zur Dreier-Kategorie. Es sind Fahrzeuge, die immer fahrbereit gehalten wurden und meist im Bereich des Fahrwerks und der Aggregate deutliche Alterungs- und Gebrauchsspuren aufweisen, die jedoch die Verschleißgrenze noch nicht erreicht haben.

Erläuterung

Korrosion muss toleriert werden – nicht jedoch an tragenden Teilen. Das Finish im Bereich Lack und Karosserie kann durchschnittlich sein, Spaltmaße und Passgenauigkeit können differieren.
Das Fahrzeug muss gebrauchstüchtig und verkehrssicher sein, und es bedarf größerer Aufmerksamkeit, um den Erhalt zu sichern. Auch viele unberührte „Originale“ mit ihrer natürlichen Patina und Gebrauchsspuren entsprechen dieser Kategorie. In diesem Zusammenhang käme das ergänzende Symbol (!) zum Tragen (s. Erläuterung weiter unten)

Zustandsnote 4

Diesen Klassikern sieht man bereits aus der Ferne oder bei oberflächlicher Betrachtung den Verschleißgrad oder gar die partielle Zerstörung an.
Zustand-4-Klassiker sind meist nicht gebrauchstüchtig oder nur bedingt fahrbereit, aber rollfähig (Motor dreht). Alle Teile sind vorhanden, ob noch am Fahrzeug montiert oder bereits demontiert.

Erläuterung

Viele unberührte Originale, die über einen überdurchschnittlich langen Zeitraum genutzt wurden, oder in der Phase des Vergessens nicht fachgerecht gelagert wurden, entsprechen diesen Beschreibungen (der bekannte „Scheunenfund“).
Auch Fahrzeuge, die zunächst ein ordentliches äußeres Erscheinungsbild abgeben, aber nicht fachgerecht aufgebaut wurden, können dieser Kategorie zugeordnet werden. In der Praxis existieren Fahrzeuge, die rein äußerlich und aus einer gewissen Distanz, als Zustand „2“ durchgehen würden, aber eine schlechte und verschlissene Grundsubstanz aufweisen (Szene Jargon „geschminkte Gurken“).

Zustandsnote 5

Ein auf Anhieb und von jedem erkennbar stark verschlissenes bis zerstört anmutendes Erscheinungsbild. Die Technik ist nicht mehr gebrauchsfähig. In der Szene auch als Teileträger angesehen.

Erläuterung

Auch Fahrzeuge dieser Kategorie können von großem Interesse sein, insbesondere dann, wenn es eines der letzten noch existierenden Fahrzeuge eines bestimmten Herstellers, einer bestimmten Modellreihe ist, oder historisch eine besondere Bedeutung darstellt.
Unter Sammlern ist in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse an solch seltenen und oft als Fundstücke beschriebenen Exemplaren entstanden. Auch hier könnte das ergänzende Sonderzeichen (!) in Verbindung mit den individuellen Erklärungen auf eine derartige Situation aufmerksam machen.

Ergänzung zur Zustandsnote (!)

Im Wandel der Zeit, wurde auch die Sichtweise auf das historische Fahrzeug und die Vorstellung zum Thema Erhalt von Kulturgut in den letzten Jahrzehnten geschärft. Fahrzeuge im originalen materiellen Zustand können von größerem Interesse sein und auf dem Markt eine größere Begehrlichkeit erzeugen, als jene, die eine Renovierung zum Neuzustand erfahren haben. Somit erscheint es beispielsweise möglich, dass ein besonders original erhaltenes Fahrzeug im technischen Zustand 3 einen höheren monetären Wert erzielt als ein vergleichbares, komplett renoviertes Note-1-Fahrzeug. Die Zustandsnote als ausschlaggebende Referenz zur Einstufung des Markt-bzw. Wiederbeschaffungswertes kann in den Hintergrund treten. Ein solcher Fall wird mit einem Ausrufezeichen in Klammer (!) hinter der Zustandsnote gekennzeichnet und es folgt eine Beschreibung dieses Sonderstatus mit seinen monetären Auswirkungen.

In der Praxis wird die Zustandsnote häufig als Maßstab für den Fahrzeugwert verstanden. Tatsächlich stellt sie jedoch lediglich einen Teil der Gesamtbewertung dar. Sie beschreibt den Erhaltungszustand, ersetzt jedoch keine Wertermittlung.
Es können zwei äußerlich vergleichbare Fahrzeuge desselben Modells aufgrund ihrer Historie oder Originalität deutliche Wertunterschiede besitzen.


Originalität – einer der wichtigsten Wertfaktoren

Bei historischen Fahrzeugen besitzt die Originalität einen hohen Stellenwert. Sie beschreibt, in welchem Umfang sich ein Fahrzeug noch im ursprünglichen Auslieferungszustand befindet oder ob Veränderungen vorgenommen wurden.
Hierzu zählen unter anderem:

• originaler Motor und Antriebsstrang
• originale Karosseriestruktur
• zeitgenössische oder originale Lackierung
• werksseitige Ausstattung
• originale Innenausstattung
• unveränderte Fahrgestellstruktur

Nicht jede Veränderung führt zwangsläufig zu einer Wertminderung. Zeitgenössische Umbauten oder nachweisbare Werksänderungen können aus historischer Sicht durchaus wertrelevant sein. Entscheidend ist stets die fachliche Einordnung des jeweiligen Fahrzeugs.

Restaurierung bedeutet nicht automatisch Werterhöhung


Eine hochwertige Restaurierung kann den Fahrzeugwert deutlich steigern. Gleichzeitig gilt jedoch: Nicht jede Restaurierung entspricht den anerkannten Regeln der Technik oder den historischen Anforderungen.
Bei der Bewertung werden unter anderem betrachtet:

• Qualität der Karosseriearbeiten
• Korrosionsschutz
• Passgenauigkeit von Anbauteilen
• Lackaufbau
• Originaltreue verwendeter Materialien
• Dokumentation der Restaurierung
• technische Ausführung

Eine sorgfältig dokumentierte Restaurierung lässt sich deutlich besser nachvollziehen als eine vollständig überarbeitete, jedoch nicht belegbare Instandsetzung.

Die Fahrzeughistorie als Bestandteil der Wertermittlung

Neben dem technischen Zustand besitzt auch die Historie eines Fahrzeugs einen hohen Stellenwert.
Von Bedeutung können beispielsweise sein:

• Anzahl der Vorbesitzer
• vorhandene Fahrzeugdokumente
• Wartungs- und Reparaturunterlagen
• Restaurierungsnachweise
• historische Fotografien
• Auslieferungsunterlagen
• Gutachten früherer Jahre

Eine lückenlose Dokumentation erhöht die Nachvollziehbarkeit der Fahrzeuggeschichte und kann sich positiv auf die Bewertung auswirken.

Marktwert, Wiederbeschaffungswert und Wiederherstellungswert


Im Zusammenhang mit Oldtimergutachten werden verschiedene Wertbegriffe verwendet, die unterschiedliche Aussagen treffen.


Marktwert

Der Marktwert beschreibt den Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zum Zeitpunkt der Begutachtung für das Fahrzeug erzielt werden kann. Er orientiert sich an Angebot und Nachfrage sowie an den individuellen Eigenschaften des Fahrzeugs.


Wiederbeschaffungswert

Der Wiederbeschaffungswert bezeichnet den Betrag, der erforderlich ist, um ein gleichwertiges Fahrzeug kurzfristig am Markt zu erwerben. Auch unter Berücksichtigung des seriösen gewerblichen Handels. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit historischer Fahrzeuge liegt dieser Wert häufig über dem Marktwert.


Wiederherstellungswert

Der Wiederherstellungswert beschreibt die Kosten, die entstehen würden, um ein vergleichbares Fahrzeug unter Berücksichtigung heutiger Restaurierungskosten wieder aufzubauen beziehungsweise in den vorhandenen Zustand zu versetzen. Gerade bei aufwendig restaurierten Fahrzeugen kann dieser Wert erheblich über dem Marktwert liegen.
Welcher Wert maßgeblich ist, hängt stets vom jeweiligen Verwendungszweck des Gutachtens ab.


Warum ein qualifizierter Sachverständiger wichtig ist

1

Die Bewertung historischer Fahrzeuge erfordert weit mehr als die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes. Neben technischen Kenntnissen sind Erfahrungen im Bereich Fahrzeughistorie, Restaurierungstechniken und Marktbeobachtung erforderlich.

Ein qualifizierter Sachverständiger dokumentiert den Zustand eines Fahrzeugs nachvollziehbar, bewertet wertbeeinflussende Merkmale nach objektiven Kriterien und ordnet diese in den aktuellen Markt ein. Dadurch entsteht eine belastbare Grundlage für Eigentümer, Versicherungen, Käufer oder Gerichte.

2

Neben dem technischen und optischen Zustand fließen im Rahmen eines Wertgutachtens weitere wesentliche Kriterien in die Beurteilung ein. Hierzu gehören insbesondere der Nachweis der Eigentumsverhältnisse, die Verifizierung der Fahrzeugdaten sowie die Prüfung der Identität des Fahrzeugs anhand von Fahrgestellnummern, Typenschildern und vorhandenen Fahrzeugdokumenten.

3

Ebenso kommen der Originalität und Authentizität eines historischen Fahrzeugs eine besondere Bedeutung zu. Dabei wird beurteilt, inwieweit wesentliche Baugruppen, Ausstattung, Karosserie, Motorisierung und Ausführung dem ursprünglichen Auslieferungszustand entsprechen oder ob Veränderungen vorgenommen wurden. Diese Merkmale können – abhängig von Fahrzeugtyp, Seltenheit und Marktsituation – einen erheblichen Einfluss auf den Fahrzeugwert haben und sind daher Bestandteil einer fachgerechten Wertermittlung.

4

Da der Markt für historische Fahrzeuge kontinuierlichen Veränderungen unterliegt, kann sich der Wert eines Oldtimers im Laufe der Zeit sowohl positiv als auch negativ entwickeln. Um eine aktuelle und belastbare Wertermittlung sicherzustellen, empfiehlt sich eine regelmäßige Neubewertung (alle zwei Jahre). Eine erneute Begutachtung sollte insbesondere nach Restaurierungs- oder Instandsetzungsmaßnahmen sowie bei sonstigen wertbeeinflussenden Veränderungen am Fahrzeug erfolgen.

Schlussbemerkung


Jeder Oldtimer erzählt seine eigene Geschichte. Genau deshalb lässt sich sein Wert nicht pauschal bestimmen. Erst die Kombination aus technischem Zustand, Originalität, Historie, Dokumentation und aktueller Marktlage ermöglicht eine sachgerechte Wertermittlung.
Ein qualifiziertes Wertgutachten schafft Transparenz, dokumentiert den Zustand des Fahrzeugs und bildet eine fundierte Grundlage für Versicherungen, Kauf- und Verkaufsentscheidungen sowie die langfristige Dokumentation eines historischen Fahrzeugs.
Sie bekommen von mir ein digitales Gutachten im pdf-Format zugesandt. Dies ist für die meisten Versicherungen ausreichend.